| Mit Nobelmarke Horch fing alles an! |
Automobil-Kaufmann und Kfz-Meister Ludwig Gerstenmaier gründet am 15. April 1926 seinen gleichnamigen Betrieb in der Aumattstraße. Der 37 Jahre alte Gerstenmaier kommt aus der Mercedes-Benz-Organisation und bringt viel Erfahrung mit. Zuerst vertritt Gerstenmaier die Nobelmarke Horch. Der Baden-Badener Betrieb ist bald so bekannt, dass die sächsische Herstellfirma ihre luxuriösen Horch-Wagen ins Oostal schickt, wo sie Gerstenmaier an den Oppenauer Steige prüft, ja sogar manche Versuchswagen bis hinauf Stilfser Joch in der Schweiz fährt. Ein Beleg für die hohe Qualität der Arbeit des Autohauses, denn Horch würde die Wagen sicher nicht jedem „einfach so“ zu Testzwecken zur Verfügung stellen. Bei den Schönheitskonkurrenzen im Rahmen der Automobil-Turniere Baden-Baden erwirbt die Firma einige Preise und mehrere Ehreplaketten für die hervorragenden und repräsentativen Automobile. |
| Im Jahr 1930 vertritt Gerstenmaier nach dem Zusammenschluss von Horch, Audi, DKW und Wanderer zur Auto-Union alle vier Automobilmarken. Gerstenmaier hat die Generalvertretung für den Raum Baden-Baden/Bühl/Rastatt inne. Dies hat bis zum Jahresende 1948 Bestand.
Ab 1930 verkauft die Firma als Großhändler auch Krupp-Lastwagen. Die Vertretung der Firma Gerstenmaier reicht bis in die Südpfalz und hinauf nach Rottweil. 1930 erwirbt Ludwig Gerstenmaier das Gelände in der Jagdhausstraße 1 (heute immer noch Standort der Volkswagen-Vertretung). Dort entstehen eine Reparaturhalle samt Garage und Ersatzteillager sowie direkt an der Jagdhausstraße eine Tankstelle.
Im Frühjahr 1935 macht die Rennmannschaft der Auto-Union samt Renntransporter in der Jagdhausstraße Rast beim Baden-Badener Auto-Union-Vertragshändler Gerstenmaier: Ein Gruppenfoto zeigt den weiß-grünen Renntransporter, ein Büssing NAG 300, im Hof des Autohauses – vor dem Kühler posiert stolz die Begleitmannschaft, LKW-Fahrer und Mechaniker-Team. Am 4. April 1936 kommt die Auto-Union Rennmannschaft samt Grand-Prix-Wagen erneut in Baden-Baden an. Die Zwickauer sind auf dem Weg zum ersten Rennen der Saison in Monte Carlo. |
Januar 1949: Ludwig Gerstenmaier übernimmt die Volkswagen-Vertretung in Baden-Baden. Die Firma muss ihre „handwerklichen Zeiten“ nach der Beschlagnahme des Stammsitzes durch die französischen Besatzungstruppen notdürftig und improvisiert in der Scheibenstraße aufschlagen. Trotzdem wird der Aufbau der VW-Vertretung genehmigt. Der Auto-Union hielt das Autohaus bis Ende 1948 die Treue.
Bereits am 13. Juli zeigt das frischegebackene Volkswagen-Autohaus Gerstenmaier im Rahmen einer Sonderschau in der Wandelhalle des Kurhauses den Baden-Badener die neuen Volkswagen-Modelle. Noch im Sommer 1949 liefert das Volkswagen-Autohaus Gerstenmaier die ersten Volkswagen „Käfer“ an Privatpersonen aus – in aller Regel Gewerbebetreibende.
Es waren allesamt schwarz lackierte VWs mit roten Felgen, erinnert sich ein Baden-Badener. Der Lack ist noch stumpf, weil bessere Lackqualitäten bislang fehlen. Laut Zeitzeugen erhält die französische Armee, die ihr Hauptquartier 1945 in der Bäder- und Kurstadt einrichtete, bereits „wesentlich früher“ Volkswagen aus Wolfsburg (wahrscheinlich schon ab 1946). |
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Am 1. Januar 1950 endet endlich nach rund viereinhalb Jahren die Beschlagnahme des Autohauses durch französische Besatzungstruppen. Ludwig Gerstenmaier hat sich inzwischen auch als Volkswagen-Großhändler für Raum Baden-Baden beworben und erhält aus Wolfsburg dazu grünes Licht.
Zum Jahresbeginn 1950 verlegt er die neue VW-Vertretung offiziell in seine Angestammten Räume in der Jagdhausstraße 1. Und am 15. Juni erhält das Autohaus Gerstenmaier einen Porsche Händlervertrag. Ludwig Gerstenmaier und Ferdinand Porsche waren alte und gute Bekannte.
In den späteren Jahren expandiert das erfolgreiche Autohaus. Gerstenmaier ist in Sinzheim, Gaggenau und Rastatt vertreten. Die Marken Audi und Skoda kommen zusammen. |
Zur Person: Geboren ist Ludwig Gerstenmaier 1889 in Dottingen bei Münsingen. In Metzingen erlernt er das Mechanikerhandwerk. Bereits 1911 wechselt er zur Daimler-Motorengesellschaft nach Stuttgart-Untertürkheim und absolviert zusätzlich eine Schlosserlehre. Dort arbeitet er unter anderem in der firmeneigenen Wagnerei, in der Flugzeug-Motorenentwicklung sowie al Spezialist in der Versuchsabteilung. Anfang 1914 entsendet das Werk Ludwig Gerstenmaier auf den berühmten Flugplatz Berlin-Johannistal. Dort übernimmt der 25 Jahre junge Mann als jüngster Werkmeister die Leitung der Flugmotoren- und –Reparaturabteilung. Berlin wird seine zweite Heimat. Nach Ende des Ersten Weltkrieges ist es mit der Fliegerei zu Ende. Ludwig Gerstenmaier kehrt als Werkmeister nach Untertürk zurück. Als dann Baurat Daimler dabei ist, in Baden-Baden eine Filiale einzurichten, wird Gerstenmaier Betriebsleiter: So gelangt er am 1. April 1920 zu seiner dritten Heimat, der er bis zu seinem Tode am 13. November 1963 treu bleibt. |
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